Fest der Demokratie im Haus Nazareth: „Nicht nur reden, sondern machen“
14.10.2026 |
Demokratie erleben und selbst aktiv werden: Beim Fest der Demokratie im Haus Nazareth standen die Perspektiven junger Menschen und ihre Beteiligungsmöglichkeiten im Mittelpunkt.
Mit Musik, Filmen, Gesprächen und Kreativangeboten wurde Demokratie lebendig. Jugendliche aus dem Haus Nazareth und Mariaberg haben das Fest „Celebrate Democracy“ vorbereitet und organisiert. Unterstützt wurde die Veranstaltung von „Mit Haltung handeln – Demokratiebildung in der Jugendhilfe“.
„Demokratie bedeutet nicht nur, seine Meinung zu sagen. Der erste Schritt ist, sich einzumischen – der nächste, selbst etwas zu machen und Verantwortung zu übernehmen.“ Mit dieser Botschaft ermutigte der Co-Vorsitzende der Baden-Württemberger SPD, Robin Mesarosch, die Jugendlichen, ihre Möglichkeiten zur Beteiligung zu nutzen. Demokratie finde nicht nur im Parlament statt, sondern auch in Schulen, Jugendhäusern, Vereinen und vor Ort in den Kommunen. Dabei ging es ausdrücklich nicht nur um Politik im klassischen Sinne. „Es geht nicht um Anzüge und darum, wer Politiker ist. Demokratie lebt von Menschen, die sich einsetzen und Verantwortung übernehmen.“, so Mesarosch.
Junge Menschen wollen mitentscheiden
Besonders viel Raum bekam die Perspektive der Jugendlichen. In einem selbst produzierten Film machten sie deutlich, dass Demokratie für sie ganz konkret mit ihrem Alltag zu tun hat: mit Taschengeld, den eigenen Bedürfnissen, der Jugendhilfe und der Frage, wer über ihr Leben entscheidet. „Die da oben machen Gesetze – aber wie fühlt sich das unten an?“, lautete eine der Fragen, die im Film aufgeworfen wurden. Die Botschaft der Jugendlichen war klar: Sie wollen nicht nur über sie reden lassen, sondern selbst mitreden und mitentscheiden. Auch ihre Erfahrungen und ihre Kritik müssten ernst genommen werden. Unterbesetzte Jugendämter, fehlende Angebote oder Entscheidungen, die an den Bedürfnissen junger Menschen vorbeigehen, seien Themen, bei denen Beteiligung notwendig sei. „Demokratie hört nicht bei Kindern und Jugendlichen auf. Wir brauchen euch – und wir brauchen euch auch dann, wenn ihr schüchtern seid. Seid laut und sagt, wenn euch etwas stinkt.“, lautete eine zentrale Botschaft des Abends. Marike Jüdes und Julia Zeilinger von der Caritas Baden-Württemberg betonten dabei die Bedeutung von Empowerment: „Demokratie braucht Rahmenbedingungen, in denen junge Menschen ihre Möglichkeiten entdecken und nutzen können. Es geht darum, ihnen etwas zuzutrauen und ihre Perspektiven ernst zu nehmen.“
„Zusammenführen statt spalten“
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Umgang mit unterschiedlichen Meinungen. Demokratie bedeute auch, offen zu sein, kontroverse Diskussionen auszuhalten und sich miteinander auseinanderzusetzen. „Wir wollen nicht spalten, sondern zusammenführen. Menschen und ihre Individualitäten gehören in den Mittelpunkt.“, war eine der Leitideen der Veranstaltung. Dabei wurde auch deutlich: Nicht nur junge Menschen haben Sorgen und Ängste, auch Erwachsene. Demokratie brauche deshalb Räume, in denen Menschen offen miteinander sprechen und auch unterschiedliche Sichtweisen aushalten können.
Demokratie zum Anfassen
Im zweiten Teil des Abends konnten die Kinder und Jugendlichen auf vielerlei Weise aktiv werden: An einer Graffitiwand konnten sie ihre Ideen sichtbar machen, außerdem gab es Bastelangebote, Essen, eine Open Stage und eine Feuershow. Armbänder und Aufkleber wurden an alle Besucherinnen und Besucher verteilt. Zum Abschluss stand eine einfache, aber zentrale Erkenntnis: Demokratie funktioniert nicht von allein. Sie braucht Menschen, die sich beteiligen – und den Mut haben, vom Reden ins Handeln zu kommen. „Wir haben Möglichkeiten. Wir können entscheiden, was wir machen. Aber Demokratie funktioniert nur, wenn Menschen diese Möglichkeiten auch nutzen.“, fasste Robin Mesarosch zusammen.










